Samstag, 9. November 2013

Auf dem Sofa mit viel Publikum

Wir erzählen von einer etwas anderen Erfahrung:

 
Eines von vielen Häuser...
Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Weg um unsere tägliche Ration Vitamine, Kekse und indische Heißgetränke zu kaufen. Unser Ziel heißt Taniruhalla, eine Kreuzung mit vielen Geschäften. Zunächst spazieren wir in Richtung Grundschule. Es ist derselbe Weg, den wir morgens mit unseren Kindern laufen. Am Straßenrand steht eine Frau, sie grüßt uns, es ist eine der Grundschullehrerinnen. Wir haben sie einige Tage zuvor bei einer Function zum Nationalfeiertag Karnatakas in der Grundschule kennengelernt.
Sie winkt uns freundlich zu sich ins Haus. In einem kleinen Zimmer sitzen ihr Sohn und ihre Tochter, sowie eine ältere Frau auf einem Bett, das als Couch dient. Der Fernseher läuft bis der Strom ausfällt. Wir werden neben der älteren Frau aufs Sofa gesetzt und man guckt uns an.
Wir fragen uns: „Was passiert jetzt?“
Die Antwort kommt prompt: Man setzt uns einen Teller Gebäck vor.
Die Lehrerin erklärt uns, in brüchigem Englisch, dass wir doch bitte anfangen zu essen.
Wir sitzen im Dunkel. Uns gegenüber stehen eine Reihe Inder und Inderinnen. Sie schauen uns zu, wie wir die einzelnen Spezialitäten probieren. Es ist eine komische Situation. Nur wir essen etwas, während alle anderen uns zugucken. Zudem wechselt unser Publikum und es stehen immer andere Menschen in der Tür. Es herrscht Stille, denn außer ein paar Brocken, kann keiner richtig Englisch. Als wir die Kinder nach ihrem Namen fragen, flitzen sie schüchtern aus dem Raum. Also probieren wir es mit den Älteren auf Kannada. Wir versuchen die Namen des Gebäcks heraus zu finden. Schließlich werden wir aufgefordert ein Lied auf Kannada zu singen. Dank unserem Co-Mentor können wir die ersten vier Zeilen eines Liebessongs. Ebenfalls dank unserem Co-Mentor, weiß es schon das ganze Viertel.
Wir machen eine kurze Essenspause und schon gestikuliert uns die Großmutter mit der Hand, dass wir weiter essen sollen.
„Müssen wir den ganzen Teller aufessen?“, fragen wir uns.
Es schmeckt zwar gut, aber irgendwie ist es komisch alleine alles auf zu essen. Schließlich wirkt das Haus sehr bescheiden und die Familie nicht so, als hätte sie Geld im Überfluss.
Nach einer kurzen Beratung entschließen wir uns noch ein Teilchen zu essen und uns dann zum Gehen zu wenden.
Daraufhin kommt die Hausherrin mit einer Plastiktüte gelaufen und möchte uns den Rest einpacken. Davon lässt sie sich aber zum Glück doch recht leicht abbringen.
Zum Abschied schenken wir ihr einen Glückscent, für diese freundliche Einladung in ihr Haus. Sie ist völlig überrascht, denn damit hat sie nicht gerechnet.

Die Gastfreundschaft der einfachen Leute ist beeindruckend. Es ist bemerkenswert zu sehen, wie offen und herzlich man uns in sein kleines Haus eingeladen hat. Und sich über unseren Besuch merklich gefreut hat.

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