Wir erzählen von einer etwas anderen Erfahrung:
Nach dem Mittagessen machen
wir uns auf den Weg um unsere tägliche Ration Vitamine, Kekse und indische
Heißgetränke zu kaufen. Unser Ziel heißt Taniruhalla, eine Kreuzung mit vielen
Geschäften. Zunächst spazieren wir in Richtung Grundschule. Es ist derselbe
Weg, den wir morgens mit unseren Kindern laufen. Am Straßenrand steht eine
Frau, sie grüßt uns, es ist eine der Grundschullehrerinnen. Wir haben sie
einige Tage zuvor bei einer Function zum Nationalfeiertag Karnatakas in der
Grundschule kennengelernt.
Sie winkt uns freundlich zu
sich ins Haus. In einem kleinen Zimmer sitzen ihr Sohn und ihre Tochter, sowie
eine ältere Frau auf einem Bett, das als Couch dient. Der Fernseher läuft bis
der Strom ausfällt. Wir werden neben der älteren Frau aufs Sofa gesetzt und man
guckt uns an.
Die Antwort kommt prompt: Man
setzt uns einen Teller Gebäck vor.
Die Lehrerin erklärt uns, in
brüchigem Englisch, dass wir doch bitte anfangen zu essen.
Wir sitzen im Dunkel. Uns
gegenüber stehen eine Reihe Inder und Inderinnen. Sie schauen uns zu, wie wir
die einzelnen Spezialitäten probieren. Es ist eine komische Situation. Nur wir
essen etwas, während alle anderen uns zugucken. Zudem wechselt unser Publikum
und es stehen immer andere Menschen in der Tür. Es herrscht Stille, denn außer
ein paar Brocken, kann keiner richtig Englisch. Als wir die Kinder nach ihrem
Namen fragen, flitzen sie schüchtern aus dem Raum. Also probieren wir es mit
den Älteren auf Kannada. Wir versuchen die Namen des Gebäcks heraus zu finden.
Schließlich werden wir aufgefordert ein Lied auf Kannada zu singen. Dank
unserem Co-Mentor können wir die ersten vier Zeilen eines Liebessongs.
Ebenfalls dank unserem Co-Mentor, weiß es schon das ganze Viertel.
Wir machen eine kurze
Essenspause und schon gestikuliert uns die Großmutter mit der Hand, dass wir
weiter essen sollen.
„Müssen wir den ganzen
Teller aufessen?“, fragen wir uns.
Es schmeckt zwar gut, aber
irgendwie ist es komisch alleine alles auf zu essen. Schließlich wirkt das Haus
sehr bescheiden und die Familie nicht so, als hätte sie Geld im Überfluss.
Nach einer kurzen Beratung
entschließen wir uns noch ein Teilchen zu essen und uns dann zum Gehen zu
wenden.
Daraufhin kommt die
Hausherrin mit einer Plastiktüte gelaufen und möchte uns den Rest einpacken.
Davon lässt sie sich aber zum Glück doch recht leicht abbringen.
Zum Abschied schenken wir
ihr einen Glückscent, für diese freundliche Einladung in ihr Haus. Sie ist
völlig überrascht, denn damit hat sie nicht gerechnet.
Die Gastfreundschaft der
einfachen Leute ist beeindruckend. Es ist bemerkenswert zu sehen, wie offen und
herzlich man uns in sein kleines Haus eingeladen hat. Und sich über unseren
Besuch merklich gefreut hat.

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