Wir kommen die Treppe runter, ein „Good morning, Sir. How
are you?“ schallt uns entgegen. Auf unserem Weg bis zur Küchentür beantworten
wir diese Frage gefühlt im Sekundentakt.
Nun raspeln wir, mehr oder weniger geschickt, einige Kokosnüsse.
Im Topf kocht schon der obligatorische Reis, der aus dem Essensplan nicht
wegzudenken ist.
Zurück auf der Bank in der Eingangshalle bekommen wir einen
Chai oder heiße Milch serviert.
Wir bringen die Kinder zur High School, in der Tasche 2€.
Der „social Teacher“ möchte deutsches Geld tauschen. Auf einmal biegen wir ab
und finden uns vor einer Haustür wieder. Wollten wir nicht zur Schule?
Doch Surratsch* überzeugt uns mit einem „Sir, comming!“,
dass wir hier richtig sind.
Die Kinder vorweg, wir hinterher geht es ins Haus. Man
bietet uns Frühstück an. Wir lehnen ab, aber Chai und Kekse sind unabdingbar
für die indische Gastfreundlichkeit.
Wir verlassen das Haus wieder, mit 160 Rupies mehr, einem
Lehrer, der sich über unseren Glückscent gefreut hat und einer Einladung zum
Abendessen.
Wir sitzen in unserem Zimmer und planen unseren Unterricht.
Zumindest versuchen wir das.
Es macht „BUMM!“, es macht „POCK!“, es macht „BAMM!“, wir
werden weichgeklopft.
Neben uns entsteht ein zweiter Stock, das Brückenschulgebäude
wird erweitert.
| Das Dach wird betoniert. |
Wir liegen erschlagen auf dem Bett. Langsam, aber sicher
kommt uns die Erkenntnis: „Es ist wieder soweit!“ Wir müssen waschen, wie jeden
Tag.
Einer erbarmt sich, schleppt sich ins Bad, wir haben kein
Wasser. Der Klassiker!
Also heißt es runtergehen. Asha, die Brückenschullehrerin,
guckt uns an: „KEY?“, man weiß schon Bescheid. Wir drehen den Wassertank auf
und zwingen uns ins Bad. Die Ausrede ist weg.
Wir stehen am Busstand, wir warten. 30 Minuten später, das
gleiche Bild. Endlich naht ein Bus. Der Fahrer grüßt uns, man kennt sich. Der
Grund unseres Ausflugs: wir brauchen Papierbögen. Die letzten vier
Unterrichtspläne sind überholt, ein Neuer muss her!
| Der Old Busstand in Hassan. |
Wir stehen bei Shanti Stores. Dieser kleine, unscheinbare
Shop hat einfach alles (Volleybälle, Trommeln, Pokale, Papier, USB-Sticks,
Batterien, Fahnen, Landkarten, Bücher, Spiele, Kricketschläger, Radios,
Hütchen, uvm. ).
Der Verkäufer guckt uns an, wir geben uns alle Mühe Transparentpapier
zu beschreiben. „Paper, a bit thinn.
You can look through. Colourfull. “
Er guckt uns an und sagt das Zauberwort: “Transparent
Paper?”.
Darauf hätte man auch selber kommen können.
Wir möchten zahlen. Der Kassierer öffnet die Kasse. Er sucht
nach Geld. Doch statt Münzen, ist die Kasse voll mit Bonbons und Schokolade.
Wir bekommen süßes Wechselgeld.
| Die indische Form von Wechselgeld... |
Wir stehen beim Bäcker, es ist Zeit für die tägliche Ration
Kekse.
Die Bestellung muss warten. Erstmal werden wir gefragt: „Wie
schreibt man Kartik?“
Wir gucken uns an, ja wie schreibt man denn Kartik?
Nachdem wir auch bei der Geburtstagstorte für Chennad
assistiert haben, dürfen wir bestellen.
Wir wenden uns zum Gehen. Vor uns steht ein indischer
Student. Er fragt wo wir herkommen. Schließlich bittet er uns in sein Schulheft
zu unterschreiben. Unser erstes Autogramm, aber unsere Handynummern bekommt er
trotzdem nicht.
Wir gehen die Straße hinunter. Kurz vor unserer NGO, kommt
uns eine junge Frau entgegen. Dürfen wir sie grüßen? Unsere KKS Mappe sagt:
„Frauen sprechen keine Männer auf der Straße an und umgekehrt.“ Unser Gefühl
fragt: „Ist das nicht unhöflich?“
Die Entscheidung wird uns abgenommen. Sie lächelt uns an,
fragt wo wir herkommen und bietet uns schließlich ein Gebäckstück an.
Völlig überrascht setzen wir unseren Weg fort.
Wir stehen in der Traininghall, vor uns sitzen 21 Kinder.
Das sind 100% mehr als wir wollten und andere Kinder. Folgendes ist passiert:
Unser Plan sah eine Englischstunde für die zehnte Klasse vor. Asha gab uns
daraufhin die neunte Klasse für eine Mathe Stunde. Schließlich entschied
Madhou, der andere Brückenschullehrer: „You take all younger children class!“.
Das Zauberwort heißt: „Improvisieren!“. Der Klassiker!
Wir geben Computerunterricht, Englisch und Mathe sind morgen
dran. Akshat* guckt den Computer an, drückt eine Taste. Die Tabelle ist weg!
Die Fassungslosigkeit steht ihm ins Gesicht geschrieben. Nach kurzer Denkpause,
hören wir ein „Computer cheating!“ Das Wort „cheating“ ist universell und als
Politiker kann man dafür sogar ins Gefängnis kommen. Der Computer hat also
gerade ein schweres Verbrechen begangen.
| Computerclass in Prachodana |
Wir stehen wieder in der Küche, es gibt Anna Samba: Reis mit
Gemüsesoße.
Kotresh* kommt herein. In den Fingern hat er jemand
mitgebracht. Freudestrahlend hält er uns eine kleine, rote Küchenschabe unter
die Nase. Wir können seine Sympathie für das Tier nicht so ganz teilen, müssen
aber trotzdem lachen.
Wir befinden uns im Kuhstall. Die Kuh wird gemolken. Aus
ihrem Stall kommt eine unglaubliche Rauchwolke. Es brennt. Auf unsere fragenden
Blicke hin bekommen wir „moscitos“ an den Kopf geworfen. Wir erschließen uns,
dass es im Interesse von Gauri (unserer Kuh) ist, ausgeräuchert zu werden.
| Prachodana Cow: Gauri. |
Wir liegen im Bett. Zwei Monate sind vergangen. Es ist
dunkel draußen. Die Bauarbeiten ruhen. Da zerreist eine Flex die Stille. Unser
Licht flackert. Wir entschließen uns das Licht zu löschen. In den letzen Wochen
haben wir viel Spannendes erlebt. Wir haben viel gelacht, uns häufig gefragt:
„Warum?“. Und wir wurden oft positiv überrascht. Während wir auf die Nachtruhe
warten, fallen uns noch viele weitere Situationen ein.
Etwa 2 Stunden später dürfen wir dann endlich schlafen!
P.S. Weitere Bilder gibt es in unsere Bildergalerie! ;)
*Name geändert
Das ist ja besser als Loriot.
AntwortenLöschen.... Alles real!!!
Gruß als Srilanka
Ulli
Mehr Mehr Meeeehr!
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