Mitten in der Nacht...
Dussehra Festival in Mysore from Nibo.
Robins erster Wecker
klingelt, Nico wacht auf.
Robins zweiter Wecker
klingelt, Nico ist bereits im Bad.
Robins dritter Wecker
klingelt, Robin wacht auf, Nico ist fertig.
Nicos erster Wecker
klingelt, es ist 4:15!
Eine Dreiviertelstunde
später sitzen wir mit Anna, Vivienne und unserem Mentor im Bus. Das Ziel lautet
Mysore. Heute wird dort mit dem sog. Dussehra-Festival der Sieg des Guten über
das Böse groß gefeiert. Der Sage nach siegte an diesem Tag der Hindugott Rama
über den Dämonenkönig Ravana.
In Mysore angekommen,
treffen wir Leon und Jonathan aus
Prajna. Die deutsche Touri-Gruppe ist vollständig. Beim Frühstück gibt
es viele Dinge auszutauschen und jeder ist gespannt, was die Anderen aus ihren
Projekten zu berichten haben.
Sightseeing in Mysore
| Spaziergang durch Mysore |
Unser erstes Ziel ist der
Palast. Natürlich wollen wir den ehemaligen Wohnsitz der Wodeyear-Maharadschas
gerne von innen sehen. Aber daraus wird leider nichts. Shivakumar probiert zwar
zu verhandeln, aber weniger als 1 000 Rupies Eintritt ist nicht zu machen. Da
wir das Fünffache des normalen Eintrittspreises nicht zahlen wollen, ziehen wir
zum Zoo.
Der Zoo von Mysore ist ein
mehrere Kilometer langer Riese, der stark an europäische Zoos erinnert. Im
Gegensatz zu unserem Mentor nutzen wir die Zeit nicht zum Tiere Bestaunen,
sondern zum gemütlichen Spazieren und Plaudern. Vor dem Käfig des weißen
Tigers, kommt es zu einem ernsthaften Konkurrenzkampf: Tiger vs Ausländer.
Die Gruppe vor dem
Tigerkäfig spaltet sich und es gibt eine neue Attraktion: der deutsche Besuch.
Der indische Zoobesucher hat nun sowohl Fotos vom weißen Tiger, als auch von
den deutschen Touris auf seiner Kamera.
Nach diesem Fotoshooting
probieren sich Nico & Jonathan an einem etwas anderen Motiv. Die Challenge:
Ameisen, die auf einem Kabel laufen, möglichst scharf fotografieren. Dem Rest
der Gruppe erschließt sich der Sinn dieser Aktion nicht so ganz. Aber
Shivakumar nutzt die Zeit und spielt währenddessen im Zooshop mit Stoffgiraffen
und Plastikschlangen.
| Shivakumar im Kinderparadies |
| Volle Konzentration! |
Auf dem Weg zum Ausgang
verlieren wir unseren Mentor in einer Schlange vor den Schlangen. Dennoch
schaffen wir es alle gleichzeitig den Zoo zu verlassen und wir gehen auf
Nahrungssuche.
Der erste Unfall
Robin bleibt stehen. Er
fällt hinter die Gruppe zurück, um ein Foto zu machen. Ein Fehler, eine Riksha
kommt aus dem Nichts.
Im Vorbeirasen nimmt der
Außenspiegel Robins T-Shirt mit. Es bleibt ein Loch im rechten Ärmel und eine
kleine Schramme. Nichts Dramatisches, aber Shivakumar schießt auf die Riksha
zu. Nach fünfminütiger Diskussion, entschuldigt sich der Rikshafahrer und fährt
weiter. Mit vereinten Kräften, können
wir Shivakumar daran hindern, Robin zu einer Apotheke zu schleppen. Ums
Desinfizieren im Krankenzelt kommt er trotzdem nicht herum.
Das Highlight, die Parade – aber wo?
| Leider Nein.... |
Wir sitzen auf einem Dach
und beobachten den Verkehr. Wir warten gespannt auf die Parade und freuen uns
über die guten Plätze in erster Reihe. Doch wenig später kommt die
Ernüchterung. Man ruft uns zu, dass die Parade woanders lang geht. Shivakumar
schwärmt aus, um Neues in Erfahrung zu bringen.
Wenig später sind wir am
richtigen Ort, zusammen mit Tausenden Anderen.
Wir gehen eine Hauptstraße
hoch, an deren Ende die Prozession um einen Kreisel gehen soll.
Hier bekommen wir einen
Eindruck, wie Kinderarbeit auch aussehen kann. Ein junges Mädchen balanciert
auf einem Seil, mit einer langen Stange in der Hand. Viele Menschen stehen drum
herum und machen Fotos.
Wir gehen weiter bis zu
einer Menschenwand. Also versuchen wir uns nach vorne durch zu kämpfen. Es ist
eng, es wird geschubst und Taschendiebe versuchen mehrfach Leon und Jonathans
Taschen zu leeren. Als sich eine größere Ansammlung junger Inder um Vivienne
und Anna bildet und sie belästigt, geben wir auf. Doch nicht alle verhalten
sich so. Einige helfen uns unsere Mädels sicher aus der Menge zu bugsieren.
Resigniert sammeln wir uns
etwas abseits. Diese Form von Bedrängen ist neu für uns.
Doch wir wollen es nicht
wahr haben, die Parade nicht sehen zu können.
Wir versuchen es erneut
von einer anderen Seite. Diesmal versperren uns Busse mit Menschen auf dem Dach
die Sicht.
| Sie kommen auf Bussen! |
Dahinter sieht es ähnlich
voll aus, aber es gibt mehr europäische Touristen
und Polizei.
Wir teilen uns in zwei
Gruppen auf und gehen abwechselnd nach vorne. Als die erste Gruppe zurückkommt,
ziehen wir mit unserem Mentor los.
Wie im Stadion
Wir arbeiten uns durch die
grölende, tobende und feiernde Masse. Die ersten drei Reihen sitzen auf dem
Boden, dahinter steht die Polizei und sorgt mit Schlagstöcken für Ordnung.
Unser Mentor drängt unablässig nach vorne. In der Zwischenzeit werden wir immer
weiter nach links und rechts geschoben. Neben uns stolpert ein offensichtlich
betrunkener Mann. Doch anstatt achtlos auf den Boden zu fallen, wird er sofort
von den Umstehenden aufgehoben, gestützt und sicher nach hinten durchgereicht.
| Mitten im Gedränge |
Als wir uns wieder zu
Shivakumar umdrehen, gibt er gerade Robins Kamera an einen Polizisten. Wild
gestikulierend wird Robin klar gemacht, er solle doch bitte zu seiner Kamera
kommen. Aber wie?
Vier sitzende Reihen gilt
es zu überwinden. Die Lösung ist denkbar einfach. Der Polizist gibt Robin die
Hand und zieht ihn über die Reihen hinweg. Anschließend ist Nico dran.
Es ist unangenehm auf
Menschen zu rutschen und zu stolpern und so offensichtlich bevorzugt zu werden.
Wir werden in die erste Reihe gesetzt und wenig später folgt auch unser Mentor.
Von nun an haben wir die perfekte Sicht
| Die Parade zieht vorbei. |
Vor uns ziehen die Wagen
der Parade, hinter uns drängelt man und neben uns kommen wir mit Indern ins
Gespräch. Man fragt wo wir herkommen, heißt uns herzlich Willkommen und
schließlich will man für uns Wasser kaufen. Dieses freundliche Verhalten
erstaunt uns, haben wir uns doch eigentlich vorgedrängelt.
Wir möchten wissen, wann
die Prozession zu Ende ist. Das erste Mal heißt es: „In einer halben Stunde.“
20 Minuten später: „In einer halben Stunde.“ Die dritte Antwort lautet: „Spät,
halb 1 nachts“ (Es ist 15:00 Uhr). Wir bleiben also sitzen, eine andere Wahl
haben wir auch nicht. Denn jeder der aufsteht, wird mit dem Stock daran
erinnert, dass er sich bitte wieder hinsetzt.
Der Mobb tobt, die Elefanten kommen!
Als die ersten Elefanten
in Sicht kommen, gibt es kein Halten mehr. Alles springt auf. Robin wird in
ruhigeres Gefilde verlegt, Nico bleibt in der Menge. Shivakumars Kommentar:
„Oh, Nico is missing“, aber er bleibt untätig. Die Polizei schafft es, den
ersten Ansturm zum Sitzen zu bewegen. Es wird rund um Nico mit Stöcken auf die
Menge eingeschlagen. So ein Platz im Zentrum hat auch seine Vorteile.
Doch als die Sänfte, aus
750kg purem Gold, auf dem Rücken eines Elefanten vorbeizieht, haben die Massen
gewonnen. Alles stürzt zum Höhepunkt der Parade.
Nico nutzt die Gelegenheit
und schließt wieder auf.
| 750 kg Gold auf dem Elefanten! |
Krönender Abschluss
Wir lassen den stressigen
Tag gemeinsam mit den anderen im Palastgarten entspannt ausklingen. Auf einer
Wiese sitzend, bestaunen wir den von unzähligen Lichtern erleuchteten Palast.
Was für ein schöner
Abschluss eines gelungenen Tages in Mysore.
| Die deutsche Reisegruppe. |
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