4. Dezember abends: Wir
sitzen in unserem Zimmer. Der Räuchermann räuchert, der Adventskranz brennt, Stollen
und Plätzchen liegen zum Verzehr bereit. Wir wollen es heute ruhig angehen
lassen und gucken einen Film. Der zweite Film in 4 Monaten.
Dieses Jahr müssen wir den
Advent komplett selber gestalten: Adventskalender und Adventsandacht mit den
Kindern, Weihnachtslieder üben als special activity und der leuchtende
Adventskranz im Zimmer.
Doch es kam alles anders.
Am 14 Dezember finden wir
uns ausnahmsweise auch an einem Samstag in der Kirche wieder.
Eine Weihnachtsfeier steht
auf dem Programm. Die Studenten verschiedener Institute in Hassan machen einen
Weihnachtslieder Gesangswettbewerb in unserer Kerala-Kirchengemeinde, die
Malayalam Chruch.
Aus 4 monatiger Kirchenerfahrung rechnen wir mit einem eher
langweiligen Programm und dann geht es los!
Ein Weihnachtsmann springt
mit Luftballons behängt durch die Menge, fordert zum Klatschen auf, von der Bühne
aus bekommt er lautstarke Unterstützung. Man trommelt und grölt
Weihnachtslieder. Nach jeder Vorstellung ertönt ein Stadionähnlicher Wechselgesang
aus den hinteren Reihen. Rechts vorne auf der Bühne steht eine mit Luftballons
und Girlanden behängte Krippe. Daneben wird zu einer Mischung aus House und
Elektro getanzt. Bei näherem Hinsehen, fragen wir uns, ob wir in einer
Europäischen Disko gelandet sind.
Nach drei Stunden gibt es für
alle Kuchen mit Chai, aber dies soll nicht unser letzter Kuchen gewesen sein.
Während die Sieger des Wettbewerbs sich unter lautem Geschrei feiern, hetzen
wir aus der Kirche, mit uns die Frau von unserem Direktor und ihr Sohn. Wir
haben es eilig, denn es hat vor einer halben Stunde das Weihnachtsliedersingen
mit der „Kannada Church angefangen. Wir sind schließlich in zwei Kirchengemeinden.
Man zieht von Haus zu Haus,
es gibt ein kleines Gebet, man singt Weihnachtslieder und es gibt Kuchen, Kekse
oder Chai. Besonders beliebt sind eine Art Zitronenkuchen, die ein bisschen
nach Kaugummi schmeckt, sowie ein dunkler Pflaumen-Trockenkuchen, den man uns
als „Christmas Cake“ vorstellt. So ziehen wir über 3 Stunden von Haus zu Haus
sprechen Gebete und singen Lieder, mit dabei ein Weihnachtsmann. Dieser
Weihnachtsmann hat das Glück bei jedem Lied zu tanzen und sich in seinem dicken
Mantel zu Tode zu schwitzen. Die letzten fünf Häuser darf Robin dann auch den roten
Mantel mit der Plastikmaske, durch die man kaum etwas sieht, anziehen.
Überraschend finden wir die
mit kunstschneebedeckten Plastiktannenbäume – das hätten wir definitiv nicht in
Indien erwartet. Wie kommt man bei diesen Temperaturen auf Schnee???
Anschließend fallen wir müde
ins Bett, finden die Tradtion aber ausgesprochen schön. Schließlich feiert man
so als christliche Gemeinde gemeinsam die Vorbereitung auf Weihnachten und das
vor allem sehr ausgelassen und fröhlich. Wir freuen uns auf den zweiten Teil
der Kannda Christmas Carrols am nächsten Tag.
Jingle Belles als Partyhit
Am nächsten Abend ziehen wir
wieder um die Häuser, mit dabei diesmal auch unser Zuhause: Prachodana. Jingle
Bells wird zum absoluten Gossenhauer und man erwartet das Lied auf der Trompete
nahezu in jedem Haus. Am überzeugendsten ist die Vorstellung bei unseren
Hostelkindern. Das Weihnachtsliederüben hat sich gelohnt und die Kids singen
und tanzen fröhlich mit dem Weihnachtsmann zur Trompete.
Nach zwei Tagen Pause ziehen
wir dann erneut mit der „Malaylam Church“ um die Häuser.
| Mit dabei das Jesuskind! |
Diesmal besteht das Publikum
hauptsächlich aus Studenten, dem Pfarrer und einigen Nonnen.
Wir klappern 15 Häuser mit
zwei Jeeps und einem kleinen weißen Auto, dem
Auto unseres Pfarrers, in fünf Stunden ab. Als man uns um 23:00 Uhr einen
Teller Reis mit Fisch und typischer Samba aus Kerla in die Hand drückt, sind
wir schockiert. Schließlich haben wir schon 10 Kuchenstücke und mindestens
genauso viele Kekse hinter uns. Die ganze Prozedur wiederholt sich ebenso am
nächsten Tag!
Für den übernächsten Tag schöpfen
wir Hoffnung. Es soll eine Stunde früher beginnen. Zieht man Konsequenzen?
Schließlich waren wir die
letzten Tage trotz 6:00 aufstehen immer erst um 12 im Bett.
Doch unsere Hoffnungen
verflüchtigen sich im nächsten Satz. Statt 15 Häuser stehen morgen 20 auf der
Liste. Uns ist klar: Danach brauchen wir Urlaub!
Dank des lockeren Zeitmanagements
fahren wir trotzdem nur 20 Minuten früher als am Vorabend los. Aber immerhin
haben wir 1,5 Stunden früher als sonst Prachodana verlassen. Es gibt aber eine
positive Überraschung für den Abend, denn wir klappern „nur“ 16 Häuser ab. Wider
erwartet schaffen wir es das Weihnachtsliedersingen schon um halb 11 im letzten
Haus abzuschließen. Um die extra Kelle Reis kommen wir allerdings nicht herum.
Ebenso beim Nachtisch, Payssan.
Anstatt uns zu fragen, ob
wir denn noch ein zweites Payssan möchten, bekommt Robin einen zweiten Becher
in die Hand gedrückt mit den Worten: „You want one more Payssan.“
Mit vollem Magen liegen wir
abends im Bett und ziehen Bilanz.
In den letzten 7 tagen, sind
wir etwa 24 Stunden um die Häuser gezogen, wir haben geschätzte 50
Kuchenstücke, 25 Chai, etwa 75 Kekse, 15 Becher Saft und drei Abendessen um
halb 12 bekommen. Ebenfalls hat Robin we wish you a mery Christmas und Jingel
Bells in Dauerschleife gespielt.
Nach wie vor finden wir die
Tradition nett, aber wir fragen uns: Warum muss man es nur so übertreiben?
Vor uns liegen die gepackten
Rucksäcke auf dem Boden. Gut, dass wir morgen nicht um sechs Uhr aufstehen
müssen, um in den Urlaub zu fahren. Wir drücken Sajid, dem Sohn vom Direktor
die Daumen, dass er morgen nicht noch mal als Fahrer mit auf die Christmas
Carrols fahren muss. Schließlich war er genauso wie wir, sowohl mit der
Malayalam Church als auch mit der Kannda
chruch insgesamt 5 von 7 Tagen Weihnachtslieder singen.
Wir wünschen allen unseren
Bloglesern eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in
das kommende Jahr!
Wie sagt man so schön in Indien:
„We wish you a happy christmas!“
I wish you a Merry Christmas, dear Robin and Nicolas.
AntwortenLöschenKomme eben aus Spanien zurück, wo ich kein Netz hatte und lese mit einem leisen Lachen euern blog.
Ich wünsche euch einen feinen Urlaub, wohin auch immer ihr eure Rucksäcke schleppen werdet!
Allerbeste Grüße
Klaus