Samstag, 21. Dezember 2013

„Tanzende Weihnachtsmänner, 24 Stunden Weihnachtslieder, 40x Jingle Bells“



4. Dezember abends: Wir sitzen in unserem Zimmer. Der Räuchermann räuchert, der Adventskranz brennt, Stollen und Plätzchen liegen zum Verzehr bereit. Wir wollen es heute ruhig angehen lassen und gucken einen Film. Der zweite Film in 4 Monaten.

Dieses Jahr müssen wir den Advent komplett selber gestalten: Adventskalender und Adventsandacht mit den Kindern, Weihnachtslieder üben als special activity und der leuchtende Adventskranz im Zimmer.
Doch es kam alles anders.


Am 14 Dezember finden wir uns ausnahmsweise auch an einem Samstag in der Kirche wieder.
Eine Weihnachtsfeier steht auf dem Programm. Die Studenten verschiedener Institute in Hassan machen einen Weihnachtslieder Gesangswettbewerb in unserer Kerala-Kirchengemeinde, die Malayalam Chruch.
Aus 4 monatiger  Kirchenerfahrung rechnen wir mit einem eher langweiligen Programm und dann geht es los!


Ein Weihnachtsmann springt mit Luftballons behängt durch die Menge, fordert zum Klatschen auf, von der Bühne aus bekommt er lautstarke Unterstützung. Man trommelt und grölt Weihnachtslieder. Nach jeder Vorstellung ertönt ein Stadionähnlicher Wechselgesang aus den hinteren Reihen. Rechts vorne auf der Bühne steht eine mit Luftballons und Girlanden behängte Krippe. Daneben wird zu einer Mischung aus House und Elektro getanzt. Bei näherem Hinsehen, fragen wir uns, ob wir in einer Europäischen Disko gelandet sind.

Nach drei Stunden gibt es für alle Kuchen mit Chai, aber dies soll nicht unser letzter Kuchen gewesen sein. Während die Sieger des Wettbewerbs sich unter lautem Geschrei feiern, hetzen wir aus der Kirche, mit uns die Frau von unserem Direktor und ihr Sohn. Wir haben es eilig, denn es hat vor einer halben Stunde das Weihnachtsliedersingen mit der „Kannada Church angefangen. Wir sind schließlich in zwei Kirchengemeinden.
Man zieht von Haus zu Haus, es gibt ein kleines Gebet, man singt Weihnachtslieder und es gibt Kuchen, Kekse oder Chai. Besonders beliebt sind eine Art Zitronenkuchen, die ein bisschen nach Kaugummi schmeckt, sowie ein dunkler Pflaumen-Trockenkuchen, den man uns als „Christmas Cake“ vorstellt. So ziehen wir über 3 Stunden von Haus zu Haus sprechen Gebete und singen Lieder, mit dabei ein Weihnachtsmann. Dieser Weihnachtsmann hat das Glück bei jedem Lied zu tanzen und sich in seinem dicken Mantel zu Tode zu schwitzen. Die letzten fünf Häuser darf Robin dann auch den roten Mantel mit der Plastikmaske, durch die man kaum etwas sieht, anziehen.
Überraschend finden wir die mit kunstschneebedeckten Plastiktannenbäume – das hätten wir definitiv nicht in Indien erwartet. Wie kommt man bei diesen Temperaturen auf Schnee???
Anschließend fallen wir müde ins Bett, finden die Tradtion aber ausgesprochen schön. Schließlich feiert man so als christliche Gemeinde gemeinsam die Vorbereitung auf Weihnachten und das vor allem sehr ausgelassen und fröhlich. Wir freuen uns auf den zweiten Teil der Kannda Christmas Carrols am nächsten Tag.

 
Weihnachtslieder bei Prachodana

Jingle Belles als Partyhit
Am nächsten Abend ziehen wir wieder um die Häuser, mit dabei diesmal auch unser Zuhause: Prachodana. Jingle Bells wird zum absoluten Gossenhauer und man erwartet das Lied auf der Trompete nahezu in jedem Haus. Am überzeugendsten ist die Vorstellung bei unseren Hostelkindern. Das Weihnachtsliederüben hat sich gelohnt und die Kids singen und tanzen fröhlich mit dem Weihnachtsmann zur Trompete.

Nach zwei Tagen Pause ziehen wir dann erneut mit der „Malaylam Church“ um die Häuser.
Mit dabei das Jesuskind!

Diesmal besteht das Publikum hauptsächlich aus Studenten, dem Pfarrer und einigen Nonnen.
Wir klappern 15 Häuser mit zwei Jeeps und einem kleinen weißen Auto, dem  Auto unseres Pfarrers, in fünf Stunden ab. Als man uns um 23:00 Uhr einen Teller Reis mit Fisch und typischer Samba aus Kerla in die Hand drückt, sind wir schockiert. Schließlich haben wir schon 10 Kuchenstücke und mindestens genauso viele Kekse hinter uns. Die ganze Prozedur wiederholt sich ebenso am nächsten Tag!
Für den übernächsten Tag schöpfen wir Hoffnung. Es soll eine Stunde früher beginnen. Zieht man Konsequenzen?
Schließlich waren wir die letzten Tage trotz 6:00 aufstehen immer erst um 12 im Bett.
Doch unsere Hoffnungen verflüchtigen sich im nächsten Satz. Statt 15 Häuser stehen morgen 20 auf der Liste. Uns ist klar: Danach brauchen wir Urlaub!

Dank des lockeren Zeitmanagements fahren wir trotzdem nur 20 Minuten früher als am Vorabend los. Aber immerhin haben wir 1,5 Stunden früher als sonst Prachodana verlassen. Es gibt aber eine positive Überraschung für den Abend, denn wir klappern „nur“ 16 Häuser ab. Wider erwartet schaffen wir es das Weihnachtsliedersingen schon um halb 11 im letzten Haus abzuschließen. Um die extra Kelle Reis kommen wir allerdings nicht herum. Ebenso beim Nachtisch, Payssan.
Anstatt uns zu fragen, ob wir denn noch ein zweites Payssan möchten, bekommt Robin einen zweiten Becher in die Hand gedrückt mit den Worten: „You want one more Payssan.“


Mit vollem Magen liegen wir abends im Bett und ziehen Bilanz.
In den letzten 7 tagen, sind wir etwa 24 Stunden um die Häuser gezogen, wir haben geschätzte 50 Kuchenstücke, 25 Chai, etwa 75 Kekse, 15 Becher Saft und drei Abendessen um halb 12 bekommen. Ebenfalls hat Robin we wish you a mery Christmas und Jingel Bells in Dauerschleife gespielt.
Nach wie vor finden wir die Tradition nett, aber wir fragen uns: Warum muss man es nur so übertreiben?
Vor uns liegen die gepackten Rucksäcke auf dem Boden. Gut, dass wir morgen nicht um sechs Uhr aufstehen müssen, um in den Urlaub zu fahren. Wir drücken Sajid, dem Sohn vom Direktor die Daumen, dass er morgen nicht noch mal als Fahrer mit auf die Christmas Carrols fahren muss. Schließlich war er genauso wie wir, sowohl mit der Malayalam Church als auch  mit der Kannda chruch insgesamt 5 von 7 Tagen Weihnachtslieder singen.



Wir wünschen allen unseren Bloglesern eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in das kommende Jahr!


Wie sagt man so schön in Indien:
„We wish you a happy christmas!“

1 Kommentar:

  1. I wish you a Merry Christmas, dear Robin and Nicolas.

    Komme eben aus Spanien zurück, wo ich kein Netz hatte und lese mit einem leisen Lachen euern blog.
    Ich wünsche euch einen feinen Urlaub, wohin auch immer ihr eure Rucksäcke schleppen werdet!

    Allerbeste Grüße
    Klaus

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