Montag, 26. Mai 2014

Wieder zurück in Deutschland

The 6th batch of KKS Voluneers 2013/2014

Wie war es in Indien?“ „Und wieder gut eingelebt?“ „Wie war das Zurückkommen?“ „Was hat dir am besten Gefallen?“ „Was war die größte Umstellung in Indien/in Deutschland?“
Diese Fragen bekommt bekam ich in letzter Zeit sehr oft gestellt. Nur was antwortet man darauf? Spontan sagte ich einfach „gut“ und „keine Probleme beim wieder zurückkommen“. Häufig ist dann das Gespräch schon wieder einen Schritt weiter. Manchmal auch nicht und es kommen Fragen wie „Wie war es mit den Kindern im Kinderheim?“, „Was war dein beeindruckendstes Erlebnis?“, „Wie hast du dich mit den Menschen verstanden?“. Aber auch diese Fragen werden den Erfahrungen nicht gerecht. Es fällt mir sehr schwer in einem kurzen Gespräch dieses beeindruckende Land und meinen Freiwilligendienst zusammenzufassen.

Dienstag, 15. April 2014

Was werde ich aus den Erfahrungen machen?

Wer reisen will, muss zunächst Liebe zu Land und Leute mitbringen, zumindest keine Voreingenommenheit. Er muss guten Willen haben, das Gute zu finden, anstatt es durch Vergleiche tot zu machen.
- Theodor Fontane
16.04.2014 aus dem Prachodana Jeep
Vor gut acht Monaten saßen wir schon mal mit unserem Direktor und unserem Fahrer im Jeep, damals ging es nach Hassan. Heute geht die Fahrt nach Bangalore, geschätzte Reisezeit 4:30. Anschließend neun Stunden Flug, ein Katzensprung. Schließlich haben wir schon sehr viele Stunden in indischen Bussen und Zügen verbracht. Diesmal allerdings scheint nur die Zeit kurz. Dafür sind die Unterschiede umso größer. Obwohl es in eine eigentlich vertraute Welt geht, sind jetzt, wie auch im August, einige Dinge ungewiss. Deutschland, Europa, alle die Dinge, die gedanklich damit verbunden sind scheinen in so weiter Ferne zu liegen. Es ist schwer vorstellbar wieder in die „andere“ Welt zu kommen. 
Unsere Kinder fahren schonmal vor nach Bangalore

Nicht verdrängen und vergessen


Ich spüle meinen Blechteller. Es gab Reis mit Sambar, wie jeden Mittag. Aber diesmal war es etwas Besonderes. Es war das letzte Mal. Morgen Abend sitze ich im Flugzeug und blicke auf ein Land, das für 8 Monate meine Heimat war. Der Chai beim Moslem am Kreisel, die Obsthändlerin, die für uns abrundet, der Conductor im Bus, der uns freundlich zuwinkt, die Kühe auf der Straße, das Treiben auf dem Markt in Hassan, all das wird mir fehlen. Ab übermorgen werde ich nicht mehr ständig gefragt, ob ich schon gegessen habe und in ein strahlendes Gesicht blicken, wenn ich mit „uta aytu“ antworte. Die Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen hier, sie hat mich beeindruckt. Während meiner 8 Monate schlug mir nicht ein einziges Mal Fremdenhass entgegen. Im Gegenteil, man hat uns überall mit offenen Armen empfangen. Ich werde es vermissen, mich mit meinem Gegenüber im Zug, Bus oder beim Einkaufen über alles Mögliche zu unterhalten, von der richtigen Zubereitung von Biryani über die deutsche Geschichte bis hin zu den aktuellen Problemen Indiens. Vor allem aber werde ich den Alltag in der Brückenschule vermissen. Das Herumalbern mit den Kindern und den Brückenschullehrern, den Playground, ja selbst den täglichen Reis. Dieses Land mit all seinen Gegensätzen und Besonderheiten, es wird mir fehlen. Der Satz von Herman Hesse, er ist wahr: „Wer einmal nicht nur mit den Augen, sondern mit der Seele in Indien gewesen ist, dem bleibt es ein Heimwehland.“ In den vergangen 8 Monaten ist Indien eine zweite Heimat für mich geworden und es wird immer ein Teil von mir bleiben.
Doch was mache ich aus all den Erfahrungen, die ich hier gemacht habe? 8 Monate lang habe ich mit Kindern zusammengelebt, deren Familien zu arm waren, um ihre Schulbildung zu finanzieren. Kinder, die teilweise kein festes Dach über dem Kopf hatten, sondern auf der Straße gelebt haben. Und obwohl unsere Lebensgeschichten so unterschiedlich sind, habe ich eine sehr starke Bindung zu ihnen aufgebaut. Wenn ich auf dem Playground mit den älteren Kindern Volleyball gespielt habe, dann hatte ich nicht das Gefühl Betreuer zu sein, sondern meine Mitspieler waren Freunde. Und nun kehre ich zurück in mein altes Leben. In ein Haus, das fast so groß ist wie die ganze Brückenschule. Wo nicht 30 sondern 3 Leute leben. Ein Kleiderschrank erwartet mich, der genügend Klamotten für 5 Kinder hat. Ist das fair? Warum stehen mir alle Möglichkeiten offen, während diese Kinder darum bangen müssen, überhaupt irgendeinen Abschluss zu bekommen? Wieso durfte ich wohlbehütet aufwachsen, während andere Kinder täglich für ihr Essen betteln müssen?  Diese Ungerechtigkeit war mir auch schon vor Indien bewusst. Ich kannte die Bilder von Armut aus dem Fernsehen. Ich wusste, dass man eigentlich etwas dagegen tun müsste. Doch es blieb beim „müsste“. Hier habe ich gesehen, wie viel man mit wenig Geld erreichen kann. Gerade einmal 25€ kostet der Unterhalt für ein Kind in Prachodana pro Monat. Das ist weniger als ein 1€ pro Tag, der einem Kind ermöglicht zur Schule zu gehen, eine Perspektive gibt und erlaubt „Kind sein“ zu dürfen. Doch was mache ich mit diesem Wissen? Auf einen Euro am Tag kann man leicht verzichten, aber auf Indiens Straßen leben viele Kinder. Wie viel kann, will, muss ich von dem, was ich habe abgeben? Reicht bloßes Spenden überhaupt oder sollte ich nicht viel lieber mein Leben und Beruf darauf ausrichten, anderen zu helfen? Viele Fragen, auf die ich keine passende Antwort habe. Ich weiß nur, ich darf die Erfahrungen hier nicht verdrängen. Ich darf nicht die Verantwortung weiter von mir weisen und die Probleme ignorieren, weil sie wieder nur im Fernsehen zu sehen sind.      

(Robin)

Mittwoch, 9. April 2014

Über 100 Stunden auf Indiens Straßen und Schienen



Wir liegen im Zug, die erste von 8 Nachtfahrten hat begonnen. Wir wollen früh schlafen, aber Indian Railways lässt uns nicht denn erst muss gegessen werden. Wir werden alle 20 Minuten von den Mitarbeitern mit dem nächsten Gang geweckt.
Mit dem Tee um sechs Uhr morgens kommen wir in Hyderabad an.

Donnerstag, 6. März 2014

Ein erster Abschied




Morgen geht es auf Rundreise, viele Nächte im Zug, viele Stunden im Bus und hunderte Kilometer liegen vor uns. Auf unsere Route liegen: Hyderabad, Varanasi, Agra, Schimla, Jaipur, Jodhpur, Jaisalmer, Udaipur und Mumbai.

Zunächst jedoch heißt es Abschied nehmen. Denn wenn wir zurück kommen, werden einige Kinder schon zu ihren Familien gefahren sein. Obwohl wir noch 1,5 Monate in Indien sind, müssen wir unsere Abschiedsfeier jetzt schon feiern.
Für diesen Anlass haben wir uns etwas ganz besonderes ausgedacht. Wir veranstalten eine Rally.

Samstag, 1. März 2014

Sir, this Germany?

Berlin Brandenburger Tor Mai 2013

Voller Begeisterung guckt Mohan*, einer unserer Abschlussschüler, auf den Smartphonebildschirm.
Wir fragen ihn, ob er dieses Gebäude kennt. Zu unserer Verwunderung hat er keine Ahnung, was es mit dem Brandenburger Tor auf sich hat.
Schließlich sind wir der 4 Jahrgang deutscher Freiwillige in Prachodana und selbst die ältesten Kinder kennen das Brandenburger Tor nicht.
Das muss sich ändern!
Robin und Frau Merkel.

Nico und Herr Gauck

Für diesen Abend trommeln wir alle Kinder in der Traininghall zusammen. Deutschlandkunde ist angesagt. Mit einigen Fotos von uns und aus dem Internet nutzen wir die kommende Stunde und versuchen mit wenig Englisch viel über Deutschland zu vermitteln.
Zunächst einmal zeigen wir an einer Karte unsere Heimatstädte. Darauf folgen die Kanzlerin und unser Bundespräsident, sowie ein kurzer Exkurs in den Bundestag. Auf dem Programm stehen die Städte Berlin, und Hamburg, mit dem Vorzeigeprojekt Elbphilharmonie. Unsere Flughafenbilder stammen aber vorsichtshalber aus Frankfurt.
Es folgen einige allgemeine Infos über den Alltag in Deutschland. Ein Bahnhof, eine Fußgängerzone, mehrere Häuser, eine Wurstbude und als absolutes Highlight eine Bäckerei. „German bread“ stößt auf Gelächter. Immerhin konnten wir verdeutlichen, dass es in Deutschland mehr als nur den indischen Toast gibt.
Über die Bilder einer Anti-Atom-Demonstration von 2011 und einer Stippvisite im Tagebau mit anschließendem Kohlekraftwerksbesuch bei Vattenfall versuchen wir die Grundsteine der deutsche Energiewende zu vermitteln. Da bereits viele Politiker an diesem Thema gescheitert sind, ist auch unser Ergebnis bei den Kindern ungewiss. Immerhin können wir anhand einer Kohletablette demonstrieren, was wir mit „coal“ überhaupt meinen.

Mit einem etwas leichteren Thema wie einem Fußballstadion und einigen Frisbeebildern beschließen wir unsere Deutschlandstunde. Wir hoffen, dass das Brandenburger Tor nun bei keinem der Kinder mehr auf Überraschung stößt.

Unser Publikum

Samstag, 22. Februar 2014

Uta aita?



In anderen Ländern fragt man „Wie geht’s?“ Hier heißt es: „Hast du gegessen?
Schon in dieser Begrüßungsfloskel wird klar: Essen spielt in Indien eine zentrale Rolle.
Es gibt vier festgeschriebene Essenszeiten pro Tag. Man startet zunächst mit Chai zwischen 7 und 8 Uhr morgens. Anschließend wird etwa um 8:30 gefrühstückt.
Um 11 ist eine Teepause angesagt, manchmal gibt es dazu Kekse (bei Prachodana nur zu besonderen Meetings). Um 13:30 gibt es Mittagessen. Zwischen Vier und Fünf gibt es die sog. „Snacks“ damit verbunden ist in der Regel eine Teepause.
Zum Abschluss gibt es um 20:30 ein Abendbrot, eher ein Abendreis.

Dienstag, 4. Februar 2014

Childline 1098 - ausschließlich für das Wohl des Kindes?

Der Childline Jeep steht bereit!
Seit einem Jahr ist Prachodana für die Childline im Distrikt Hassan zuständig. Die Childline ist ein 24 Stunden Service für Kinder aus problematischen Situationen, die dringend Hilfe benötigen. Konkret heißt dies, dass jeder Anruf aus dem Hassan Distrikt auf 1098 in unserem Büro angenommen wird. Je nach Notwendigkeit, wird daraufhin sofort der Jeep losgeschickt. So rettet Prachodana Kinderarbeiter, Schulabbrecher, Müll sammelnde und bettelnde Kinder, Kinder, denen ein sexueller Missbrauch droht, aber auch besondere Fälle wie die Verheiratung von Minderjährigen ist ein Fall für die Childline. Nachdem die Kinder aus der problematischen Situation gerettet worden sind, werden sie dem Children Welfare Committee (CWC) vorgeführt. Das CWC ist ein Beratungsgremium, das in Absprache mit den Eltern über die Zukunft des Kindes entscheidet.

Dienstag, 21. Januar 2014

Tagesablauf in der Brückenschule



Nach fünf Monaten Prachodana wollen wir unseren gemeinsamen Tagesablauf von den Kindern und uns in der Brückenschule vorstellen.


6:30:    Zwei Kinder schleppen einen Eimer voller Essensreste zum Garten, es gibt Frühstück für die Kuh.
06:45: Unser Direktor melkt die Kuh, jeden Morgen und Abend gibt die Kuh 4 Liter Milch.
            Gleichzeitig gibt es eine Yoga-Stunde für die anderen Kinder.
07:00:  Alle Kinder versammeln sich in der Traininghall zum Morgengebet.
07:15:  Es wird geputzt, gelernt und bei der Frühstücksvorbereitung mitgeholfen.
08:30: Zum Frühstück gibt es meistens Reis mit würzig-scharfer Beilage oder Soße.
09:00: Die Kinder bereiten sich auf die Schule vor: Haare kämmen und mit Kokosnussöl stylen, Affenschaukeln flechten, Schuluniformen anziehen, Krawatten binden und Ranzen packen.
09:30: Die Kinder gehen zur Schule.

Von nun an haben wir etwas Zeit für Büroarbeit. Wir planen unseren Unterricht für den Abend, schreiben Texte für die Website von Prachodana, erledigen kleinere Fotografien für unseren Direktor, überarbeiten Berichte für die NGO und überlegen uns die nächsten Aktivitäten für die Kinder.

Ab 16:15: Die Kinder kommen zurück, jetzt ist Freizeit angesagt Volleyball, Kricket oder im Kinderheim
     rumturnen.
17:45: Es gibt eine Kleinigkeit zu Essen und eine Kelle Milch, von  unserer Kuh Gauri.
18:00: Zeit für das Abendgebet in der Traininghall
18:15: Jetzt heißt es Lernen: Hausaufgaben werden gemacht und die Kinder bekommen Unterricht von den Lehrern und uns.
20:30: Zeit zum Abendessen
21:00: Die „High School“ Schüler bekommen weiterhin Unterricht.
            Die Grundschulkinder gehen jetzt schlafen.
22:00: Das Kinderheim schläft!

Wir haben  vor geraumer Zeit in Video über den Tagesablauf der Kinder in Prachodana erstellt. Hier
 geht es zum Tagesablauf von Mohan Raja und Yamuna, eine Verlinkung zur Website von Prachodana: unser Tag in Prachodana .

(letztes Update 26.05.2014)

Dienstag, 31. Dezember 2013

350 Kinder, ein Ziel: Die Karl Kübel Trophy 2013

Viele Kinder - viele Preise


Bereits im vierten Jahr findet im Karl Kübel Institute for Development Education(KKID) in Coimbatore die sogenannte Karl Kübel Trophy statt.
Bei diesem Event treten die Kinder verschiedener Kinderheime in unterschiedlichen Wettbewerben gegeneinander an.
Ebenfalls dabei: 15 Kinder aus Prachodana.

Samstag, 21. Dezember 2013

„Tanzende Weihnachtsmänner, 24 Stunden Weihnachtslieder, 40x Jingle Bells“



4. Dezember abends: Wir sitzen in unserem Zimmer. Der Räuchermann räuchert, der Adventskranz brennt, Stollen und Plätzchen liegen zum Verzehr bereit. Wir wollen es heute ruhig angehen lassen und gucken einen Film. Der zweite Film in 4 Monaten.

Dieses Jahr müssen wir den Advent komplett selber gestalten: Adventskalender und Adventsandacht mit den Kindern, Weihnachtslieder üben als special activity und der leuchtende Adventskranz im Zimmer.
Doch es kam alles anders.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Vertraut und trotzdem immer wieder aufs Neue überraschend



Ich stehe an einem Stand auf dem Markt in Hassan. Eine Frau bietet allerlei Krimskrams an. Während meinen vergeblichen Versuchen, den Preis zu vermitteln, stellt sich plötzlich ein fremder Mann zu mir und legt mir seinen Arm auf die Schulter. Er fragt, wo ich herkomme. Als er herausfindet, dass ich ein paar Wörter Kannada spreche, gerät er nahezu in Ekstase. Er schreit über den ganzen Markt auf Kannada: „Hey, er spricht Kannada, er spricht Kannada!“ Nun bekomme ich immer mehr Shoppingbegleitung. Mit Hilfe meiner neuen Berater erfahre ich dann schließlich auch den Preis. Dann werde ich zu einem Obststand gebeten. Man schenkt mir eine Banane. An einem anderen Stand bekomme ich einen Apfel. Ich bedanke mich und verabschiede mich in Richtung Bushaltestelle. Wieder einmal bin ich völlig perplex.

Nach mehr als 3 Monaten in Indien ist Vieles Alltag geworden. Das morgendliche Fußballspielen mit indischen Jugendlichen, die Kirche am Sonntag mit unserem Direktor und unser täglicher Papaya- und Kekskauf. Zu den Mahlzeiten kommen wir wie selbstverständlich mit unseren Blechtellern in die Dininghall, lassen uns Reis geben und setzen uns zu den Kindern auf den Boden. Das Herumalbern mit Madhou und den Kindern, der abendliche Unterricht, alles ist mir vertraut. Und immer dann, wenn ich mich dabei ertappe zu denken, ich habe das Leben in Indien, in Hassan oder zumindest in unserer näheren Umgebung verstanden, dann passieren solche Situationen wie auf dem Markt. Mir wird klar, dass ich niemals auch nur ansatzweise alles verstehen werde. Dieses Land, ja alleine schon Hassan bietet immer wieder so viele Überraschungen und Besonderheiten. Fast jeden Tag lerne ich irgendetwas Neues. Sei es die Vergangenheit eines unserer Kinder, die mir vor Augen führt, wie nichtig meine Kindheitssorgen doch im Vergleich zu ihren scheinen. Dann bin ich immer wieder aufs Neue beeindruckt wie unbeschwert sie spielen und lernen. Oder, dass die Christen hier 40 Tage lang nach dem Tod eines Verwandten kein Fleisch essen und am 40.Tag dann ein großes Fest feiern. Doch ich lerne nicht nur, ich bekomme auch immer wieder meine Vorurteile, die trotz Ablehnung im Unterbewusstsein blieben, eindrucksvoll wiederlegt. Beispielsweise habe ich meine Kamera in einem kleinen Chailaden liegen lassen. Anstatt sie einzustecken und mit dem Verkauf sein kleines Gehalt etwas aufzubessern, trug der Besitzer mir sie auf die Straße hinterher.
Vieles ist alltäglich und vertraut geworden, aber vieles bleibt auch neu. Diese vielen kleinen Momente ermahnen mich immer wieder, nicht alles als selbstverständlich hinzunehmen. Und trotz oder gerade wegen dieser vielen Überraschungen und Besonderheiten, denke ich, als wir vom Zwischenseminar zurückkommen und die Straße zum Kinderheim hinuntergehen: „Du bist zurück zu Hause.“ 

Robin

Sonntag, 1. Dezember 2013

Advent, Advent ein Lichtlein brennt



... ein kleines Licht ...
27 Grad, Sonnenschein, keine Weihnachtsdekoration, keine Weihnachtsmärkte und auch kein Kakao mit Honigkuchen zum Frühstück. Weihnachtsstimmung will nicht so richtig aufkommen. Also holen wir den Advent nach Prachodana!

Montag, 25. November 2013

Großprojekt: Laternen



Am 11. November feiert man in Deutschland St. Martin. Wir sind aber in Indien, dennoch möchten wir das Fest gerne feiern. Wir stellen uns also der Herausforderung mit 35 Kindern Laternen zu basteln.

 Seit dem 25. Oktober kleistern wir Laternen.
Ballons haben wir aus Deutschland mitgebracht, Transparentpapier gilt es zu finden. Der Shop unseres Vertrauens erweist sich als verlässlich. Einziges Problem, das Papier ist hauchdünn und würde keine Kerze halten. Wir steigen auf Zeitungspapier um.
Wir öffnen unseren Kleister, er ist feucht geworden.
Robin: „Hält das?“
Nico: „Es muss!!!“
Da wir nach 2 Monaten Kinderheim bereits Erfahrung mit Großgruppen haben, fangen wir erstmal klein an. Wir suchen uns 8 Grundschüler heraus.
Das Ergebnis ist ausbaufähig: Zwei Stunden kleistern, 2 Laternen kaputt und 100 000 Schnipsel auf dem Boden. Wir hängen die verbleibenden Laternen, in ein Zimmer und ziehen uns erschlagen zurück. Am nächsten Tag fehlt eine weitere Laterne.
Wir denken um: Die nächsten Gruppen werden kleiner, die Laternen hängen wir gut sichtbar nach draußen zum Trocknen.

Samstag, 9. November 2013

Auf dem Sofa mit viel Publikum

Wir erzählen von einer etwas anderen Erfahrung:

 
Eines von vielen Häuser...
Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Weg um unsere tägliche Ration Vitamine, Kekse und indische Heißgetränke zu kaufen. Unser Ziel heißt Taniruhalla, eine Kreuzung mit vielen Geschäften. Zunächst spazieren wir in Richtung Grundschule. Es ist derselbe Weg, den wir morgens mit unseren Kindern laufen. Am Straßenrand steht eine Frau, sie grüßt uns, es ist eine der Grundschullehrerinnen. Wir haben sie einige Tage zuvor bei einer Function zum Nationalfeiertag Karnatakas in der Grundschule kennengelernt.
Sie winkt uns freundlich zu sich ins Haus. In einem kleinen Zimmer sitzen ihr Sohn und ihre Tochter, sowie eine ältere Frau auf einem Bett, das als Couch dient. Der Fernseher läuft bis der Strom ausfällt. Wir werden neben der älteren Frau aufs Sofa gesetzt und man guckt uns an.
Wir fragen uns: „Was passiert jetzt?“

Mittwoch, 6. November 2013

Erzähl mir von Indien...





Wir kommen die Treppe runter, ein „Good morning, Sir. How are you?“ schallt uns entgegen. Auf unserem Weg bis zur Küchentür beantworten wir diese Frage gefühlt im Sekundentakt.
Nun raspeln wir, mehr oder weniger geschickt, einige Kokosnüsse. Im Topf kocht schon der obligatorische Reis, der aus dem Essensplan nicht wegzudenken ist.
Zurück auf der Bank in der Eingangshalle bekommen wir einen Chai oder heiße Milch serviert.

Wir bringen die Kinder zur High School, in der Tasche 2€. Der „social Teacher“ möchte deutsches Geld tauschen. Auf einmal biegen wir ab und finden uns vor einer Haustür wieder. Wollten wir nicht zur Schule?
Doch Surratsch* überzeugt uns mit einem „Sir, comming!“, dass wir hier richtig sind.
Die Kinder vorweg, wir hinterher geht es ins Haus. Man bietet uns Frühstück an. Wir lehnen ab, aber Chai und Kekse sind unabdingbar für die indische Gastfreundlichkeit.
Wir verlassen das Haus wieder, mit 160 Rupies mehr, einem Lehrer, der sich über unseren Glückscent gefreut hat und einer Einladung zum Abendessen.

Wir sitzen in unserem Zimmer und planen unseren Unterricht. Zumindest versuchen wir das.
Es macht „BUMM!“, es macht „POCK!“, es macht „BAMM!“, wir werden weichgeklopft.
Neben uns entsteht ein zweiter Stock, das Brückenschulgebäude wird erweitert.
An Arbeit ist nicht zu denken.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Mysore Dussehra

Mitten in der Nacht...


Dussehra Festival in Mysore from Nibo.

Robins erster Wecker klingelt, Nico wacht auf.
Robins zweiter Wecker klingelt, Nico ist bereits im Bad.
Robins dritter Wecker klingelt, Robin wacht auf, Nico ist fertig.
Nicos erster Wecker klingelt, es ist 4:15!
Eine Dreiviertelstunde später sitzen wir mit Anna, Vivienne und unserem Mentor im Bus. Das Ziel lautet Mysore. Heute wird dort mit dem sog. Dussehra-Festival der Sieg des Guten über das Böse groß gefeiert. Der Sage nach siegte an diesem Tag der Hindugott Rama über den Dämonenkönig Ravana.
In Mysore angekommen, treffen wir Leon und Jonathan aus  Prajna. Die deutsche Touri-Gruppe ist vollständig. Beim Frühstück gibt es viele Dinge auszutauschen und jeder ist gespannt, was die Anderen aus ihren Projekten zu berichten haben.


Donnerstag, 10. Oktober 2013

Ein unverhoffter Ganesh



Unverhofft kommt oft…

unser erster indischer Elefant!

Es ist 12 Uhr, wir stehen an unserem Kiosk und kaufen das erste Mal heute Kekse. Wir wollen sparsam sein, deswegen fangen wir mit 5 Rs. an.
Kaum haben wir bezahlt, sehen wir unseren Bus heranrauschen. Das heißt 200 Meter sprinten.
Normalerweise sind die Hassan City Busse recht komfortabel, doch heute hat der Bus einen  Fehler. Jedes Schlagloch katapultiert uns schwungvoll aus unseren Sitzen in die Luft.
Ausgerechnet heute ist die Straße nach Hassan gesperrt und wir müssen einen Schlagloch-Schlenker fahren.
Heile in Hassan angekommen geht es in Richtung „Big Bazar“, dem großen Supermarkt hier. Wir kommen nur ein paar 100 Meter weit, dann klingelt Robins Handy.
Es ist unser Direktor. Wir gucken uns überrascht an. Haben wir irgendwas vergessen?
Wir flüchten vor dem Autolärm in einen Sari/Curidaladen. Außer uns sind noch etwa 10 Kundinnen im Laden. Die Verkäufer lächeln uns etwas verwundert aber freundlich an.
Das Ergebnis des Telefonats: Wir sind NICHT am New Busstand. Wir sind am OLD Busstand. Wir sollen zu einer Function und er kommt uns mit dem Moped abholen.
Es bleibt zu klären, was machen wir genau?
Wie passen wir zu dritt auf ein Moped?
Des Rätsels Lösung: Zwei Motorräder, eines von unserem Mentor und eines von unserem Direktor.

Bunt, viel Lärm gespanntes Erwarten: Ganesh kommt vorbei!

Ganesh, der Gott mit dem Elefantenkopf

Wir fahren um eine Ecke und sind mitten im Trubel. Viele Inder stehen am Straßenrand.
Durch die Straße kommt der Festzug.
Tänzer im Tigeroutfit. Ein Mann, der 3 Meter lange Lanzen während des Tanzes in die Höhe hält. Viele Trommler und Trompeter. Dazu einige verkleidete, übergroße Figuren die verschiedene Götter darstellen. Wir wundern uns, wie sie es in dieser Hitze aushalten. Wir finden es ohne Verkleidung schon sehr warm.
Mitten in all dem Trubel unser persönliches Highlight: Unser erster indischer Elefant!
Gegen eine Rupie, bekommt man einen Segen mit dem Rüssel. Ein faszinierender Vorgang. Der Elefant nimmt die Rupie, gibt sie an den Elefantenführer auf seinem Rücken. Dann streicht er mit einer gekonnten Bewegung dem Spender über den Kopf und weiter geht’s.
Segenen will gelernt sein. ;)


Vivat, Vivat, vivat wenn der Gott naht

Das Beste kommt immer zum Schluss, ganz am Ende des Zuges erspähen wir Big Ganesh. Eine ca. 3 Meter hohe Figur (Big Ganapati) thront auf einem Wagen, der von einem Traktor gezogen wird. Es ist der Gott Ganesh. Heute, am letzten Tag seiner mehrwöchigen Geburtstagsfeier, wird seine Statue im Wasser versenkt. Vorher allerdings wird der Umzug noch einige Stunden durch Hassan ziehen und den Gott feiern. Das für uns Kuriose: Jedes Jahr wird eine neue Ganapati(Statue) aufgestellt.
Durch die Straßen auf und nieder


Voller Gegensätze

Der Traktor wir von einem Inder in traditioneller Kleidung, mit Turban und edlem Gewand gefahren. Im Gegensatz zu seinem Outfit stehen die moderne und lässige Sonnenbrille und sein einhändiger Fahrstil.
Ebenfalls fällt uns der Kontrast zwischen dem Wagenlenker und den dahinter herlaufenden Priestern besonders auf. Diese Priester verteilen einen hinduistischen Segen, in Form eines roten Punktes auf der Stirn.

Das ist die eine Seite...
...und das die andere.



 

 

 

 

 

Reis und Samba für alle!

Wir sind wieder allein. Unser Direktor und Mentor sind zurück nach Prachodana gefahren.
Uns knurrt der Magen. Wir gehen, um eines der Hotels zum Essen, zu suchen. Zwei Straßen weiter, finden wir ein Restaurant anderer Art. Man winkt uns freundlich zu einem Zelt am Straßenrand hin. Wir bekommen einen Pappteller in die Hand gedrückt und werden ans Ende einer Schlange dirigiert.
Am Anfang angekommen bekommen wir einen Schlag gelben Reis und eine herzhaften Milchreis mit Granatapfel.
Wir freuen uns über die Gastfreundschaft der Inder, denn an allen Ständen in dieser Straße, gibt es zur Feier des Tages freie Kost für alle.
Robin (noch) an letzter Stelle.. .



Als Abrundung dieses gelungen Tages, funktioniert der Rückfahrtbus wieder wie gewöhnlich. Der Ganesh-Umzug ist weitergezogen und unsere Straße ist wieder frei.

Vielen Dank an unseren Direktor und Mentor, dass wir dieses Fest spontan miterleben durften!

Sonntag, 6. Oktober 2013

Einigkeit und Recht und Freiheit



Ein definitv deutscher Apfel...
Einen Tag nach Gandhis Geburtstag, ist es Zeit für ein deutsches Fest.
Der Tag der deutschen Einheit!
Unser heutiges Tagesziel: deutsch kochen, aber was?
Unsere Ansprüche:
1.      möglichst deutsch
2.      unseren Kochqualifikationen entsprechend
3.      genug für 40 Kinder
4.      nicht zu teuer
5.      nicht zu zeitintensiv

Schwierige Vorbereitung

Nach langem Hin und Her fiel unsere Wahl auf Reibekuchen/Kartoffelpuffer.
Punkt 1-4 haben wir damit gut abgedeckt, Punkt 5 – nicht!
Einen Tag vorher, gingen wir los, um 12 Kg Kartoffeln, 2,5 Kg Zwiebeln und 2 Kg  Äpfel zu kaufen. Das Spannende dabei: 12 Kg Kartoffeln sind günstiger als 2 Kg Äpfel!
Unser Gemüsehändler wollte es nicht so richtig glauben und fragte mehrmals nach, ob wir wirklich 12(!) Kg haben wollten.
Unter all dem Gemüse haben wir unsere Zwiebeln liegen lassen. Doch ein freundlicher Inder hat sie uns mit einem Moped hinterhergefahren.
Glück gehabt.
Die Nacht über verliehen die Zwiebeln unserem Zimmer eine ganz besondere Duftnote.
101 Kartoffeln in der Produktion
2,5 KG Zwiebeln dazu!



 

 

 


Wir haben noch nie so lange am Stück in der Küche gestanden!


Um 15:30 ging es dann los. Gemeinsam mit bis zu 8 Kindern und unserer Köchin stürzten wir uns auf das Gemüse.
Insgesamt 105 Kartoffeln, über 40 Zwiebeln und geschlagene 11 Äpfel lagen zum Schnibbeln und Reiben bereit. Nach 2 Stunden waren dann die ersten 10 Reibekuchen fertig.
Aber Suresh* und Rashmi* unsere zwei Kartoffelraspler, waren noch nicht bereit aufzugeben. Doch nicht nur sie, mit ihnen schnitten Robin, unsere Köchin und Ramashim* tapfer viele Kartoffeln und Zwiebeln.
Die etwas speziell (aussehende) Rohmasse

Wir hatten das Braten unterschätzt.

Nico, Kamala* und Ranchia* waren um die richtige Mischung, aus Mehl, Zwiebeln, Kartoffeln, Salz, Pfeffer, Öl und Bratzeit bemüht, als auf einmal unser Mentor in die Küche kam.
Verzweifelt hielt er uns seine Kameraspeicherkarte unter die Nase.
Das Braten lag damit alleine in der Hand von Kamala* und Ranchia*.
Nico musste mit dem erste Hilfe Netbook unter dem Arm retten, was zu retten war.
Die Küchenhoheit hatte inzwischen Kamala*, keine Chance über die Bratzeit zu verhandeln.
Der ist gut!

Drei Stunden später


Wir können servieren. Die Reibekuchen riechen tatsächlich nach Reibekuchen. Leider fehlt das Apfelkompott. Dafür gibt es ein Apfelstück mit einer Deutschlandfahne.
Robin spielt die Nationalhymne auf Trompete und anschließend singen wir.
Wir treffen zwar nicht jeden Ton, aber immerhin singen wir nicht „brüh im Lichte**“.
Anschließend darf gegessen werden. Die Beteuerung „super taste“ klingt für uns unglaubwürdig. Aber wir freuen uns trotzdem, dass die Mühe ankommt!
Guten Appetit!

Nach dem Snack stehen wir noch 1,5 Stunden in der Küche und versuchen den Rest zu Ende zu braten. Schließlich geben wir auf und überlassen unserer Köchin, zwecks Abendbrotvorbereitung, das Feld.
So groß haben wir den 3. Oktober noch nie gefeiert.

Das Fazit des Tages:

Der Rest....
 Die Kinder kennen ein bisschen deutsche Geschichte.
Wir haben viele Glückwünsche zum Tag der deutschen Einheit bekommen.
Wir standen geschlagene 5 Stunden in der Küche.
Robin wird gedanklich in der Nacht weiter Zwiebeln schälen.
Nico hat zuviel Kartoffeln abgeschmeckt, Resultat: Kartoffeln roh sind suboptimal!
Wir haben ca. 4 Kilo Gemüse zuviel gekauft.
Morgen gibt es Zwiebeln mit Kartoffeln für uns!




*Name geändert

Samstag, 28. September 2013

Ein Nachtrag von der Anreise

Nun ist ein Monat vergangen, eigentlich Zeit für einen kurzen Rückblick.
Wir wollen uns dem nicht kategorisch verschließen, allerdings möchten wir erst einen anderen Eintrag "nachreichen".
Vor einem Monat sind wir im KKID angekommen, hier nun ein kleiner Videobeitrag über unsere ersten Tage im KKID und über unsere Anreise.


AnreiseIndien+KKID.